10. Long time no see

Es ist fast 2 Jahre her, seit ich das letzte Mal hier geschrieben habe.

Einige meiner Freunde haben in der Zwischenzeit immer mal nachgefragt, wie es denn um meinen am 11.05.2017 veröffentlichen Plan „Step by step“ stehe (nicht ganz uneigennützig, weil sie uns gerne in Kanada besuchen kommen möchten). Ich kann ihnen und allen anderen eventuell nach wie vor interessierten Lesern verkünden: Die Realisierung des „Drei-Jahr-Plans“ geht voran!

  • Sprachurlaub in England

Im Oktober 2017 war ich für eine Woche in Manchester und habe an der EF-Sprachschule einen Englisch-Kurs besucht. Mehr noch als der Unterricht selbst hat mir der Umstand gebracht, dass ich für eine Weile ganz alleine im englischsprachigen Ausland war und fast ausschließlich auf Englisch kommuniziert habe, ob in der Schule, mit meinen internationalen Mitschülern oder bei allem, was ich in Manchester so unternommen habe. Das hat mich in meiner Meinung bestärkt, dass ich unbedingt für längere Zeit ins Ausland gehen möchte, um intensiv Englisch zu lernen.

(Dieter hat seinen Audio-Englischkurs wohl noch nicht wieder angerührt, was angesichts des Stresses, den er in der zurückliegenden Zeit bei seiner Arbeit hatte, aber absolut verständlich ist.)

  • Weitere Sprachkurse im Ausland, ggf. kombiniert mit einem Urlaub als „Selbstversorger“

Den Haken kann ich hier zwar nicht ohne Weiteres setzen, aber de facto ist auch das erledigt. Im September 2018 waren wir für knapp 3 Wochen in Vancouver, wo wir gemeinsam mit Freunden eine Ferienwohnung gemietet und uns selbst versorgt haben, also auch einkaufen gehen mussten etc. Zugegebenermaßen haben wir dabei nicht allzu häufig Englisch gesprochen, da man im Supermarkt ja nicht so viel mit den Verkäufern redet und wir uns untereinander auf Deutsch unterhalten haben. Weil wir sehr viel sehen wollten und fast jeden Tag unterwegs waren, habe ich dort auch keinen Englisch-Kurs belegt. Der Lerneffekt ist bei diesem Urlaub also zu kurz gekommen.

Dafür habe ich von Oktober 2018 bis März 2019 – neben den regelmäßigen Unterrichten bei uns im Büro – einmal in der Woche Englischkurse am Deutsch-Amerikanischen-Institut in Heidelberg besucht, zunächst einen Konversationskurs und danach einen B2-Kurs. Da beide nicht das optimale Lernergebnis für mich brachten, bin ich danach zu Online-Kursen auf italki.com übergegangen, wo ich inzwischen meist sogar zweimal pro Woche für eine Stunde mit meiner US-amerikanischen Lehrerin über die verschiedensten Themen rede. Mal geht es um Freizeit und Hobbies (sie war auch schon auf einigen Comic Cons), mal um berufliche Themen, mal machen wir Bewerbungstraining.

Apropos: Die Bewerbung, von der ich am 06.08.2017 berichtete (Just go and try it!), habe ich letztlich nicht versandt, da in der auf der Website zu findenden Version der Stellenausschreibung ausdrücklich stand, dass man hierfür eine gültige Arbeitserlaubnis für Kanada brauche. Eine gute Übung war es allemal. In der Zwischenzeit habe ich verschiedene weitere Bewerbungen versandt, darunter auch an eine Firma in England bzw. internationale Unternehmen in Deutschland, deren Unternehmenssprache (und damit auch Bewerbungssprache) Englisch ist. Ein Stellenwechsel hat sich daraus nicht ergeben, aber ich habe dazugelernt und hatte zudem intellektuell fordernde Beschäftigungen, die mich vor einem Rückfall in die Depression bewahrt haben. (Im Herbst/Winter 2018/2019 musste ich allerdings zeitweilig auch wieder auf medikamentöse Unterstützung zurückgreifen, um die graue Zeit und eine nervige neue Kollegin zu überstehen. Beides ist zum Glück kein Thema mehr.)

  • Im Herbst 2020 für 2 bis 3 Monate ins englischsprachige Ausland

Die letzten Wochen hatte ich dazu genutzt, mich über die Möglichkeiten einer beruflichen Auszeit etwas näher zu informieren und mir Gedanken zu machen, welches Modell für mich in Frage kommt. Da man nach 4 Wochen unbezahlter Freistellung nicht mehr sozialversichert ist und sich dann selbst versichern muss, scheint mir die Teilzeit-Variante der bessere Weg. Das ist so ähnlich wie bei Dieters Alters-Teilzeit-Modell: Ich schließe für 6 Monate einen Teilzeitvertrag mit entsprechend reduziertem Gehalt, arbeite aber trotzdem 3 Monate Vollzeit und habe dafür die folgenden 3 Monate frei.

Heute hatte ich mein jährliches Personalgespräch, in dem mir mein Chef eigentlich nur mitteilen wollte, dass wir alle den üblichen Inflationsausgleich bekommen und dass er mit meiner Arbeit sehr zufrieden ist. (Ja, in der Reihenfolge.) Ich habe die Gelegenheit genutzt, ihm mitzuteilen, dass ich nächstes Jahr von September bis November eine Auszeit nehmen möchte, um für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Er nahm das sehr offen auf und hatte auch sofort eine Vorstellung, wovon ich spreche, als ich ihm das obige Teilzeit-Modell erläuterte. Er wird das mit den weiteren betroffenen Anwaltskollegen besprechen und dann werden wir langfristig die weiteren Schritte in Angriff nehmen (wie z. B. eine Zeitarbeitskraft suchen, die ich während meiner Vorarbeits-Phase schon mal etwas einarbeiten kann). Von Seiten meines Arbeitgebers scheint dem längeren Auslandsaufenthalt also nichts im Wege zu stehen.

Damit das Ganze für uns trotz meines reduzierten Gehaltes finanzierbar wird, habe ich mich jetzt auch schon mal über alternative Wohnmöglichkeiten informiert und tendiere entweder zum Home Exchange/House Swap (jemand anderes wohnt bei uns, während wir in seinem Hause/seiner Wohnung im Ausland wohnen) oder zum House Sitting, das auf dem amerikanischen Kontinent durchaus verbreitet ist. Bei Dieter werde ich allerdings diesbezüglich noch Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Als Ziel angedacht ist nach wie vor Vancouver/Kanada. Aber wie schon vor 2 Jahren geschrieben: „all may be subject to change“. Letztlich müssen wir sehen, was wir finanziell realisieren können.

Ihr seht also, auch wenn ich lange nichts mehr geschrieben habe, habe ich mein Ziel nicht aus den Augen verloren.

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9. Just go and try it!

 

Am Donnerstagvormittag schickte Dieter mir eine E-Mail mit dem Betreff „Wäre doch was“. Angehängt war die Stellenausschreibung einer Tochtergesellschaft des Unternehmens, für das er arbeitet mit der Überschrift: „Legal Assistant – Lehigh Hanson – Canada – Calgary, AB“. Ich las mir den englischen Text durch und dachte: „Jawohl, das wäre was!“ Die beschriebene Stelle klingt sehr interessant und ich bringe so ziemlich alle dort aufgelisteten Anforderungen mit. Ok, da steht: „Excellent oral and written communication skills“, aber nicht, dass sie die englische Sprache meinen. 😊 Bezüglich der deutschen Sprache erfülle ich auch diese Voraussetzung…

Es war gerade 10:30 Uhr geworden und unser wöchentlicher Englisch-Kurs stand an. Da sonst keine meiner Kolleginnen Zeit dafür gefunden hatte, durfte ich Einzelunterricht genießen. Ich erzählte Myriam, unserer Lehrerin, von der Anzeige und auch von unseren Kanada-Plänen und sie war mit mir einer Meinung: Klar, bewirb dich! Einfach mal probieren. Auch wenn ihnen meine Englisch-Kenntnisse sehr wahrscheinlich nicht reichen werden – eine gute Übung ist es allemal. Schließlich habe ich mich vor über 20 Jahren das letzte Mal beworben … und das noch nie auf Englisch.

Kurzerhand änderte Myriam auch unseren „Lehrplan“ für den anderthalbstündigen Unterricht und wir führten ein fiktives Vorstellungsgespräch („job interview“), bei dem sie mir viele wertvolle sprachliche wie inhaltliche Tipps gab.

Heute habe ich den Großteil des Sonntags damit verbracht, im Internet zu recherchieren, wie man in Kanada üblicherweise Lebensläufe schreibt und ein solches „resume“ – unter Berücksichtigung der Anforderungen der eingangs erwähnten Stellenausschreibung – für mich zu entwerfen sowie mir ein deutsch-englisches LinkedIn-Profil zuzulegen (da die vorerwähnten Internetseiten ein solches empfehlen). In den nächsten Tagen folgt dann noch der „cover letter“, das Bewerbungsschreiben. Auch wenn Myriam beides durchsehen und es dann wohl in exaktem Englisch auf den Weg gebracht werden wird, werde ich natürlich anmerken, dass mein Englisch (noch) nicht perfekt ist. Und natürlich mache ich mir keine großen Hoffnungen, überhaupt für ein job interview in Betracht gezogen zu werden. Aber es ist ein gutes Training und ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung meines Traums vom Leben im Ausland.

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8. Did you miss me?

Habt ihr mich vermisst? Also nicht mich persönlich, sondern meine Blogbeiträge? Nicht wirklich, oder? Jedenfalls hat niemand danach gefragt. Na ja, die meisten von euch können ja – so sie wollen – via Facebook verfolgen, was ich so treibe … und viele konnte ich kürzlich erst persönlich wiedersehen (einer meiner Follower sieht mich sogar täglich 😉).

Aber nach über fünf Wochen Pause will ich auch diesen Blog mal wieder aufleben und euch an meinem Weg weiter teilhaben lassen. Nachdem ich euch am 11. Mai unseren „Step-by-Step-Plan“ für die Auszeit im Ausland vorgestellt hatte, konnte ich einen Tag später vermelden, dass der für den kommenden Oktober geplante Sprachaufenthalt in Großbritannien gebucht ist. Und nun? Abwarten, bis es endlich Oktober wird? Oder kann ich in der Zeit bis dahin auch schon weiter an der Realisierung meines Traumes arbeiten?

Ich kann! Am meisten mag ich es ja, meine Sprachkenntnisse im direkten Gespräch anzuwenden und zu erweitern. Dazu hatte ich vor gut zwei Wochen auf der Fedcon viele Gelegenheiten. Außerdem habe ich die Möglichkeit, in unserer Kanzlei einmal in der Woche an einem anderthalbstündigen Englisch-Kurs teilzunehmen, dessen Schwerpunkt auf der Konversation liegt. Seit ich weiß, wohin ich will, ist meine Motivation für die Teilnahme und rege Beteiligung an diesem Kurs deutlich gestiegen. Erfreulich ist, dass ich in letzter Zeit auch öfter als zuvor Gelegenheit hatte, mein Wissen in der täglichen Arbeit bei der Betreuung internationaler Mandate anzuwenden. Und auch in meiner Freizeit nimmt die englische Sprache einen immer größeren Raum ein: Bücher und Blogs lesen, Serien im Original schauen – das alles klappt immer besser und ich lerne täglich dazu…20170620_075330

Interlude: Happy face – or: unexpected support

Mein Sprachurlaub ist gebucht! Im Oktober werde ich für eine Woche in Manchester Englisch lernen.*) Mein Chef hat die Freistellung bewilligt. Dabei hatte ich mich für einen Kurs entschieden, der nicht die Voraussetzungen für Bildungsurlaub erfüllt, weil er nicht die Mindestzahl von 30 Zeitstunden Unterricht in der Woche vorsieht. Aber der Stundenplan des Kurses, der diese Voraussetzung erfüllt hätte, hat mir so gar nicht zugesagt: Konversation über Essen, Kochen, Sport, … Das fand auch mein Chef nicht förderwürdig und bewilligte mir die Freistellung für den von mir gewählten Kurs „English & The Legal World“. Und dann kam das beste: Er fragte, was mit den Kosten sei und meinte, diese würde die Kanzlei übernehmen. 😊 Ich zahle nur Flug und Unterbringung. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Da ich alleine reise und die Schüler der Sprachschule aus aller Welt kommen, werde ich vermutlich auch in meiner Freizeit gaanz viel Englisch sprechen. Ich freue mich schon riesig drauf… und werde natürlich berichten.

*) Wehe jetzt kommen dumme Bemerkungen von wegen: „Englisch? In Manchester?“ Ich weiß inzwischen auch: Dieser Ort ist eine besondere Herausforderung. Aber in London bin ich Ende Juli das dritte Mal, da wollte ich mal was anderes sehen.

MAN

7. Step by step

„Das schwierigste ist, einen Job und damit eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen…“ bemerkte Cora zu meinem letzten Beitrag 6. If it’s still in your mind… Zugegebenermaßen habe auch ich mich darüber informiert wie es in Kanada damit aussieht und weiß, dass es nicht so einfach ist. Aber ich fand auch heraus, dass u. a. „Praktikanten in juristischen Berufen, die weder aktiv mitarbeiten noch Geld verdienen“, keine Arbeitserlaubnis benötigen. Das ist ja schon mal was. Und viel weiter gehen unsere Pläne im Moment auch noch gar nicht.

Unser neuer Ansatz ist es ja gerade, nicht darauf zu schauen, was uns hindern könnte, sondern zu überlegen, wie wir unsere Pläne realisieren können. Natürlich müssen wir dabei auch bedenken, wovon wir in dieser Zeit leben wollen. Deshalb werden wir eine längere, mehrmonatige Auszeit erst in Angriff nehmen, wenn Dieter in gut drei Jahren die passive Phase seiner Altersteilzeit beginnt. Für die Zeit bis dahin haben wir einen „Drei-Jahr-Plan“ geschmiedet, um uns auch sprachlich vorzubereiten.

  • Los geht’s für mich in diesem Herbst mit einem Sprachurlaub in England (für den Anfang erst mal eine Woche, da ich für 5 Tage im Jahr Anspruch auf Bildungsurlaub habe, also nichts von unserer gemeinsamen Urlaubszeit opfern muss). Für Dieter liegt ein Audio-Englischkurs bereit, dessen erste Lektion er bereits online absolviert und für geeignet befunden hat.

  • In den folgenden beiden Jahren möchte ich weitere Sprachkurse im Ausland belegen, vielleicht auch Dieter dafür gewinnen – dann auch mal für länger und ggf. kombiniert mit einem Urlaub, allerdings nicht im Hotel, sondern als „Selbstversorger“. Für nächstes Jahr ist da – gemeinsam mit lieben Freunden – Vancouver anvisiert.

  • Im Herbst 2020 soll es schließlich für 2 bis 3 Monate ins englischsprachige Ausland gehen, wo ich mich auch um ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei bemühen würde. Die von Frauke angesprochene Idee eines „Sabbatjahres“ (das unsere Bekannte genutzt hatte) gibt es bei meinem Arbeitgeber leider nicht. Aber ich hoffe, wenigstens für 2 Monate eine unbezahlte Freistellung aushandeln zu können. Als Ziel angedacht ist natürlich Kanada. Aber „all may be subject to change“ – das kann sich alles noch ändern. Drei Jahre sind eine lange Zeit. Schauen wir also mal, welche Erfahrungen wir bis dahin machen und wie sich das auf unsere Wünsche und Vorstellungen auswirkt.

Tja, Cathy und Claudi, mit dem Con-Family-Treffen in Kanada müsst ihr euch also leider noch etwas gedulden. 😉

Canada

Interlude: More inspiration

Warning: May contain traces of advertising. / Achtung: Kann Spuren von Werbung enthalten. 😉

Heute möchte ich euch von zwei Freundinnen berichten, die mich – auch ohne ins Ausland oder in eine andere Stadt gezogen zu sein – inspirieren, meinem Traum zu folgen und meine Leidenschaft zu leben. Denn die beiden haben auf ihre Art dasselbe gemacht:

Da ist zum einen Carola, die ihre wunderschönen Reisegeschichten mittlerweile nicht nur für ihren Sohn schreibt, sondern für uns alle. Es sind Kinderbücher, aber so toll geschrieben, dass auch Erwachsene daran ihre Freude haben. Die jungen Helden ihrer Geschichten erkunden verschiedene Metropolen Europas und erfahren dabei so einiges über deren Sehenswürdigkeiten und Geschichte. Das alles ist so liebe- und humorvoll geschrieben, dass man direkt Lust bekommt, selbst (noch einmal) die jeweilige Stadt zu erkunden – mit oder ohne Kinder:

In Kürze erscheint ihr erstes Buch für Erwachsene, entstanden aus den Reisetagebüchern, die Carola seit ihrer Jugend führt: „Höhenangst in Paris, böhmische Drachen und eine wenig bekannte Wiedergeburt“.

Und dann ist da noch Sofie, eine lebenslustige junge Schwedin, die ihren Kindheitstraum wahrgemacht und begonnen hat, ihre eigene Musik zu schreiben und zu produzieren. Ihr erstes Lied „Jump Over Cars“ ist seit gestern auf allen relevanten Musikplattformen verfügbar. Ich habe ihn mir geholt und ich mag diesen Gute-Laune-Song wirklich sehr. Hört doch auch mal rein:

Inspiration

6. If it’s still in your mind…

Bin ich zu alt dafür? Was hält Dieter davon? Kündige ich dafür meinen Job? Wie soll das funktionieren? … Mit diesen Fragen hatte ich Beitrag Nr. 5 (Who am I?) beendet.

Wer den Titel meines Blogs mal genauer angesehen hat, dem dürfte klar sein, dass ich die erste Frage mit einem definitiven „Nein“ beantwortet habe. Paolo Coelhos untenstehendes Zitat trifft es perfekt: Nachdem mich der Wunsch im Ausland zu leben nun schon so lange begleitet, wird es höchste Zeit, ihn endlich wahrzumachen!

Was hat mich so lange davon abgehalten? Die Antwort ist verblüffend: Genau diese Fragestellung war es! Die Frage danach, was dagegen spricht, hielt mich auf! Ich musste endlich die Perspektive verändern und fragen: „Wie kann ich es realisieren?“. Als ich das begriffen hatte, sah ich mich um und stellte fest, dass es in meinem Umfeld Menschen gibt, die es mir vorgemacht haben: Zwei meiner liebgewordenen Con-Freundinnen haben ihre Zelte in Deutschland abgebrochen, um ihren Traum von Irland wahrzumachen. Eine Berufskollegin lebt inzwischen in den USA und hat sich dort zwangsläufig auch beruflich verändert. In Avignon traf ich eine Familie, die von Los Angeles nach Südfrankreich umgezogen war und unterhielt mich intensiv mit der Frau, die (im Unterschied zu ihrem zweisprachigen Ehemann) kaum besser französisch sprach als ich selbst, aber dennoch die treibende Kraft für diesen Schritt gewesen war. Eine gute Bekannte in unserem näheren Umfeld ist zwar nicht ganz so weit gereist, aber sie hatte sich 1 Jahr lang eine berufliche Auszeit genommen, um in einer anderen Stadt Deutschlands zu leben. Sie ist danach zurückkehrt, aber sie hat immerhin ausprobiert, ob der andere Ort eine Alternative gewesen wäre. Und genau das will ich auch! Ich will einfach für eine längere Zeit ins Ausland gehen und schauen, was passiert. Ob ich da bleibe oder zurückkomme, … das ist noch gar nicht wichtig.

Aber was heißt hier „ich will“? Was ist mit Dieter, meinem Mann? Diese Frage war für mich die problematischste. Denn Dieter teilt meine Begeisterung für fremde Sprachen nicht, er tut sich – im Gegenteil – eher schwer damit, von Englisch hielt er so überhaupt nichts… Mit ihm also ins Ausland gehen, nicht nur für einen Urlaub? Oder längere Zeit ohne ihn woanders leben? Dieter selbst gab mir den Schlüssel zu einer Lösung: von unserem Urlaub in Kanada war er so begeistert, dass er äußerte, dafür dort zu leben, würde er sogar Englisch lernen. Also sprach ich mit ihm über meine Wünsche und Vorstellungen und die Idee, für längere Zeit nach Kanada zu gehen. Auf seine ersten Reaktionen war ich vorbereitet, kannte ich sie doch von mir selbst, doch anstatt mit ihm zu diskutieren, was alles dagegen spräche, erläuterte ich ihm, wie ich mir den Weg dorthin vorstelle… Und es sieht so aus, als sei er nicht abgeneigt ihn zu gehen. 😊

Beim nächsten Mal erzähle ich dann auch euch, wie unser Weg aussehen soll. Bis dann!

Coelho

Interlude: Your questions – my answers

Wie versprochen hier nun ein paar Antworten auf die Fragen, die einige von euch hatten.

Cathy erzählte von ihrer eigenen aktuellen Suche nach einem geeigneten Therapeuten: „Aber außer, dass man lange warten muss, habe ich bisher nicht viel erreicht. Es brauchte schon eine gewisse Zeit, bis ich mir eingestanden haben, dass ich Hilfe brauche. Aber mich ernüchtert die Suche schon.“ Sie wollte wissen:

„Wie bist du damit zurechtgekommen? Musstest du lange warten?“

Ich fand es sehr belastend festzustellen, wie schwierig und langwierig es ist, den richtigen Therapeuten zu finden. Letztlich hat es etwa 7 Monate gedauert von meinem ersten Anruf in einer Facharzt-Praxis bis zum ersten Termin bei meiner jetzigen Therapeutin (auf den ich fast 4 Monate warten musste). In meinem 2. Blogbeitrag Depression – or: How to find the right therapist hatte ich meine Suche ja ein wenig geschildert und berichtet, dass ich kurz davor war aufzugeben und keinen Therapeuten mehr aufzusuchen.

Eine andere Freundin fragte bezugnehmend auf meinen gerade erwähnten Beitrag:

„Welche Psychopharmaka hast du verschrieben bekommen? Hast du sie genommen? Wenn ja, haben sie geholfen?“

Bei meinem ersten Besuch bei der Neurologin bekam ich ein Rezept über Mirta TAD (Wirkstoff Mirtazapin). Ich habe es genommen – und es hat mir zumindest geholfen, endlich wieder schlafen zu können. Das war zu jenem Zeitpunkt schon sehr viel wert, nachdem ich wochen- bzw. monatelang stets nach wenigen Stunden wieder aufgewacht war und mich dann grübelnd von einer Seite auf die andere gedreht hatte und morgens völlig gerädert war. Kurze Zeit später ließ diese Wirkung des Mirtazapin allerdings nach; ich bekam Quetiapin verschrieben und konnte wieder schlafen. Eine der in den Packungsbeilagen angegebenen Nebenwirkungen beider Präparate wirkte jedenfalls zu 100 Prozent: ich nahm zu! (Als ich der Ärztin berichtete, dass ich in den ersten 2 Wochen zwei Kilo zugenommen hatte, meinte diese: „Ja, da müssen Sie aufpassen. Sonst sind das bald 10 Kilo.“ Was für ein super Rat von einer Ärztin für Neurologie und Psychiatrie an eine depressive Patientin!! *Sarkasmus aus*) An meiner depressiven Stimmung hatten aber weder Mirtazapin noch Quetiapin viel geändert. In der Reha bekam ich deshalb noch Citalopram verschrieben („Hallo-Glücklich-Pillen“ wie eine meiner Mitpatientinnen sie nannte). Ich hatte den Eindruck, dass sie tatsächlich stimmungsaufhellend waren und mir nach der Reha bei der Rückkehr in den Alltag halfen.

Mittlerweile habe ich aber sowohl Quetiapin als auch Citalopram nach und nach abgesetzt (also zunächst die Dosis immer mehr reduziert bis ich sie ganz weggelassen habe), weil ich schon etwas Angst vor Abhängigkeit hatte. Für die Vermeidung der oben genannten Nebenwirkung war es allerdings inzwischen zu spät: ich habe 10 kg zugenommen… Aber na ja, wichtiger ist, dass es mir psychisch wieder besser geht. Und damit kommen wir zur nächsten Frage:

„Können Depressionen geheilt werden?“

Ob Depressionen geheilt werden können, darüber findet man unterschiedliche Meinungen. Medikamente können sicher helfen, wenn es einem gerade sehr schlecht geht. Und Psychotherapien helfen, Wege aus dem mit der Depression einhergehenden Stimmungstief zu finden. Aber wer einmal Depressionen durchlebt hat, besitzt möglicherweise eine – durch verschiedene Faktoren bedingte (z. B. erbliche) – Neigung bzw. Empfänglichkeit zur Entwicklung (weiterer) depressiver Episoden (sogenannte „Vulnerabilität“). Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich auch (und meist gerade) nach Stimmungshochs immer wieder in ein solches Loch fallen kann. Mit Hilfe der Therapie lerne ich, die Warnsignale zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.

„Was hilft dir am besten?“

Das wichtigste war/ist für mich ohne Zweifel die Psychotherapie bei meiner jetzigen Therapeutin und war die fünfwöchige Reha, in der ich Zeit hatte, mich mit mir und den Dingen, die in mir vorgehen, auseinanderzusetzen. Aber es gibt auch andere Dinge, die mir helfen, wenn ich mich wieder niedergeschlagen fühle. Viele schreiben ja, dass Sport gut tue. Aber ehrlich gesagt: es fällt mir nach wie vor schwer, mich dazu aufzuraffen (auch wenn es sicher helfen würde, die Folgen der Medikamentennebenwirkungen zu beseitigen). Meine Helfer sind:

    1. Musik: Ich habe in der Reha eine Playlist „Gute Laune“ auf meinem Handy zusammengestellt. Wenn es mir schlecht geht, setze ich die Kopfhörer auf und höre sie mir an. Und wenn es die Umgebung zulässt, singe ich lautstark mit. Das hilft mir besonders gut.
    2. Schöne Erinnerungen: Auf meinem Handy habe ich auch eine „Bilderrahmen“-App, in der in kurzen Intervallen verschiedene Fotos angezeigt werden, bei mir sind das Con-Fotos. Ich habe festgestellt, dass ich jedes Mal, wenn ich mir diese Bilder anschaue, automatisch lächle. Deshalb nutze ich auch das jetzt immer als „Therapie“ gegen schlechte Stimmung.
    3. Schreiben: Zwar bin ich nicht wirklich in der Lage zu schreiben, wenn es mir richtig schlecht geht. Aber ein fertiggestellter Blog-Beitrag trägt auf jeden Fall zur Verbesserung meiner Stimmung bei, gibt mir ein gutes Gefühl. Wenn ich dann auch noch positives Feedback von euch bekomme, hilft das natürlich umso mehr. (Wie ich mit negativem Feedback klar käme, weiß ich allerdings noch nicht. Denn was ich auch über mich gelernt habe ist, dass ich ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung habe und mit Kritik nicht so gut klarkomme.)

Soweit also zu euren Fragen. Um die Fragen, mit denen ich den letzten Beitrag meines Blogs beendete wird es dann beim nächsten Mal gehen.

Questions

5. Who am I?

Wer bin ich eigentlich? Auf der Suche nach meinem Weg waren es erneut „helping questions“, die richtigen Fragen, die mir weiterhalfen:

  • Wer warst du als Kind? Was hat dir als Kind Spaß gemacht?

  • Welche versäumten Gelegenheiten bereust du? Welche Möglichkeiten hast du ungenutzt gelassen oder nie bekommen?

  • Was macht dir heute Spaß? Was begeistert dich? Was entfacht ein inneres Feuer in dir? Wobei blühst du auf?

Immer wieder brachten mich diese Fragen zu einem zentralen Punkt: Meine Leidenschaft waren und sind bis heute fremde Sprachen. Schon als Siebenjährige lernte ich mit, wenn unsere Mutter mit meinem älteren Bruder und seinen Mitschülern Russisch übte. In der Schule waren die Fremdsprachen (Russisch und Französisch) meine Lieblingsfächer. Ich hatte Brieffreunde in verschiedenen Ländern, verbrachte meine Freizeit (jedenfalls einen Teil davon) im Russisch-Klub, nahm an Russisch-Olympiaden teil, nutzte jede Gelegenheit, Menschen aus anderen Ländern zu treffen und ein paar Worte ihrer Sprache zu lernen. So begann ich auch Spanisch zu lernen, besuchte später einen Spanisch-Kurs an der Volkshochschule, hatte ein Jahr lang Tschechisch-Unterricht. Vor jeder Auslandsreise lern(t)e ich zumindest ein paar Worte der jeweiligen Landessprache (von 1980 Polnisch bis 2014 Vietnamesisch) und ließ es mir nicht nehmen, sie auch anzuwenden, lernte vor Ort noch mehr. Und dass ich inzwischen Bücher und Filme in Englisch lese/schaue, ohne diese Sprache je in der Schule gelernt zu haben, überrascht mich selbst immer noch…

Doch die einzige Sprache, von der ich behaupten würde, dass ich sie wirklich gut beherrsche, ist Deutsch. Und das ist das eine, was ich wirklich bedaure und vermisse: nie in einem anderen Land gelebt zu haben und dessen Sprache RICHTIG gelernt zu haben. Einmal gab es diese Chance, diesen Traum: ein Studium in Moskau … doch mit der „Wende“ war er ausgeträumt. Die Welt hatte sich verändert und wir hatten andere Sorgen. Später, als unsere Kinder alt genug waren für Auslandsschuljahre oder ähnliches, hätte ich alles getan, ihnen zu ermöglichen, was für mich als junges Mädchen das Größte gewesen wäre … doch sie hatten andere Interessen…

Aber ich habe sie noch immer, diese Leidenschaft für fremde Sprachen. Das spüre ich immer wieder auch auf den Conventions, die ich seit 6 Jahren besuche und die der beste Englisch-Unterricht sind, den ich mir wünschen kann. Hier bin ich lebendig, voller Leidenschaft. Ich treffe Menschen aus allen Ländern und kann mit ihnen kommunizieren. Es ist genau das, was ich schon immer geliebt habe. Symptomatisch war jenes „frenglish“ (french-english) Wochenende im März dieses Jahres in Avignon. Ich liebte diesen Sprach-Mix! Noch Tage oder gar Wochen nach solchen Erlebnissen kreisen mir die fremden Sprachen durch den Kopf, bin ich versucht, meine aktuellen Gedanken zu übersetzen…

Nachdem ich das erkannt habe, verstehe ich auch, warum gerade nach solchen Wochenenden und nach Urlauben in anderen Ländern die Rückkehr in den Alltag so furchtbar ist – die Rückkehr aus der Lebendigkeit, die Rückkehr aus dem Leben, das ich eigentlich führen will. Ich will nicht nur für ein paar Tage im Jahr, auf Cons und im Urlaub fremde Sprachen sprechen. Ich will die Erfahrung machen, in einem anderen Land zu leben, seine Menschen und seine Sprache wirklich (kennen) zu lernen.

Bin ich mit fast 50 zu alt dafür? Was hält Dieter davon? Kündige ich dafür meinen Job? Wie soll das alles funktionieren? … Um diese und andere Fragen, die sich nun stellen, nachdem ich weiß, wohin ich überhaupt möchte, geht es in den nächsten Beiträgen. Und weil es heute nun doch schon wieder länger geworden ist als ich mir eigentlich vorgenommen hatte, muss ich euch auch mit dem Bericht über Menschen, die mich inspiriert haben, auf Teil 6 vertrösten. Ich hoffe, ihr bleibt dran.

PS: Zwischendurch gibt’s natürlich erst mal wieder ein „interlude“, in dem ich eure Fragen beantworten werde. Falls ihr also noch welche habt, …

Blog

Interlude: Feel free to ask

Bevor es mit Teil 5 weitergeht, mal wieder eine kleine Zwischenbemerkung:

Es ist schön zu sehen, dass mein Blog gelesen wird, dass ihr Anteil nehmt an dem, was mich umtreibt. Danke dafür! Da es Themen sind, über die ich bisher kaum mit jemandem von euch geredet habe, kann ich mir vorstellen, dass ihr vielleicht auch die eine oder andere Frage habt. Dann bitte: fragt! Schreibt eure Fragen in die Kommentare, schickt mir PNs oder E-Mails. Ich werde versuchen, alles so gut wie möglich zu beantworten – entweder hier in einem meiner nächsten Beiträge oder in persönlichen Nachrichten.

Die Antwort auf die erste Frage einer lieben Freundin, die nach der Lektüre meines Blogs sehr in Sorge um mich war, gibt’s heute schon mal:

„Wie geht es dir?“

Kein Grund zur Sorge. Dass ich das alles jetzt öffentlich mache(n kann), ist ein gutes Zeichen. Als es mir richtig schlecht ging und ich tief in der Depression hing, hatte ich mich zurückgezogen, mit so gut wie niemandem über meine Probleme gesprochen. Ich hatte versucht, mir nichts anmerken zu lassen, nach außen weiterhin die „Starke“ zu spielen. Weil ich das nicht mehr mache, geht es mir inzwischen besser.

Meinen Dieter trieb (verständlicherweise) noch eine andere Frage um:

„Wie soll ich mich als Angehöriger, als Freund oder Partner eines depressiven Menschen verhalten?“

Eine recht gute Antwort fand er selbst in diesem Fokus-Artikel.

Und jetzt bin ich gespannt auf eure Fragen.

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